Soziologische Trends

„Die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation hängt maßgeblich davon ab, wie sie talentierte Frauen fördert.“
Laura D. Tyson, Ökonomin, Berkeley-Universität
Anything goes – eines der Schlagworte der heutigen Gesellschaft. Das in den 80er Jahren etablierte Motto trägt heutzutage große Früchte: Nahezu alles scheint möglich. Es steht jedem frei, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, und die Trends hierfür sind im ständigen Wandel. Von diesen Veränderungen scheinen vor allem Frauen zu profitieren. Die Zukunft ist weiblich, so die Prophezeiung von Trendforschern. Tatsache ist, Frauen verfügen inzwischen über eine bessere Bildung als Männer. 2010 absolvierten 55 Prozent der Mädchen das Abitur und nur 45 Prozent der Jungen. Auch bei Studienabschlüssen werden Männer von Frauen überholt. In der Domäne ‚Beruf‘ müssten sie daher längst stärker in Chefetagen vertreten sein. Aber: Nicht ein Chefsessel eines deutschen DAX-Unternehmens ist von einer Frau besetzt. Nur 6,5 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände großer börsennotierter Unternehmen sind weiblich1. Interessant ist auch ein Ergebnis der Brigitte Studie ‚Frauen auf dem Sprung‘ aus dem Jahr 2009: 47 Prozent der Frauen gaben an, Karriere machen zu wollen. Dies widerspricht dem heutigen Denken und Leben. Warum scheinen Männer eine berufliche Karriere eher umzusetzen als Frauen? Scheitern Frauen an einer immer noch männlich orientierten Arbeitswelt oder haben sie letztendlich andere Prioritäten?
- Frauen und Männer – naturgegeben unterschiedlich?
- Kreatives Zusammenspiel beider Geschlechter – die zeitgemäße Lösung?

Kreatives Zusammenspiel beider Geschlechter – die zeitgemäße Lösung?
Marion Knaths, Karrierecoach und Autorin, hat Antwort auf die Frage, warum Frauen seltener als Männer in Chefetagen vertreten sind. Frauen sind in erster Linie an Inhalten interessiert, erklärt sie, während Männer innerhalb einer strengen Rangordnung arbeiten. Frauen müssten nicht wie Männer werden, führt Knaths weiter aus, aber sie sollten verstehen: Rangordnung geht vor Inhalt. Vielmehr könnten Frauen die Regeln des Managements erlernen.
Auch wenn die Chefetagen noch immer von Männern dominiert werden, sollten Frauen dort dennoch stärker vertreten sein. So zeigten in den letzten Jahren etliche Studien, dass an der Spitze eines Unternehmens gemischte Teams erfolgreicher sind als reine Frauen- oder Männerteams. Die Unternehmensberatung McKinsey und die Lobby-Organisation Catalyst untersuchten hunderte börsennotierte Unternehmen in Europa und fanden heraus: Firmen, die mehr als drei Schlüsselpositionen mit Frauen besetzt haben, wachsen schneller und erzielen höhere Gewinne. Die Gründe sind vielschichtig. Frauen gehen kritischer mit Risiken um, sie sind insgesamt vorsichtiger als Männer. Sie sind seltener Einzelkämpfer als Männer, sie diskutieren mehr und treffen Entscheidungen daher eher im Team als alleine. Außerdem legen Frauen großen Wert darauf, Zusammenhänge zu verstehen. Sie stellen häufiger unangenehme Fragen und decken auf diese Weise Probleme und kritische Punkte auf. Das sind Eigenschaften, die gerade in einer unserer komplexen Welt gut zum Ausdruck kommen.
Quellen:
Brigitte Studie im Krisenjahr – wer nach oben will, muss springen
www.brigitte.de/gesellschaft/politik-gesellschaft/brigitte-studie-kommentar-1036612/
Susan Pinker, Das Geschlechter-Paradox: Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen, Random House 2008
Marion Knaths, Spiele mit der Macht: Wie Frauen sich durchsetzen, Piper Verlag GmbH, 2009, Behrens R.
Stern, Ausgabe 40, 2010, Karriere? Das tue ich mir nicht an!



