Special: die Pille
„Will man dieses ungewöhnliche Präparat von Tausenden anderen Tinkturen, Pulvern, Kapseln, Suppositorien, Tabletten und Patentmitteln unterscheiden, wie sie überall in Apotheken verkauft werden, so braucht man das Wort die Pille nur mit entsprechender Betonung auszusprechen.“
Bernard Asbell, Die Pille

Die Pille und ihre Töchter: Von Mikro bis Mini
Die Geburt der Pille war schwierig und es dauerte sehr lange, bis sie sich als beliebtes Verhütungsmittel etablieren konnte. Nicht nur das Image der Pille hat sich über die Jahre geändert, sondern auch das Medikament selbst. Bei ihrer Einführung 1960 enthielt die Pille erheblich höhere Dosen an Östrogenen und Gestagenen, die mit ernstzunehmenden Nebenwirkungen verbunden waren. Im Laufe der Zeit wurde die Pille weiterentwickelt: Bei gleichbleibend sicherer empfängnisverhütender Wirkung wurde die Dosierung reduziert und die Verträglichkeit verbessert. Heute stellt die Industrie eine bunte Palette unterschiedlichster Dosierungen und Gestagene zur Verfügung.
Am häufigsten werden Kombinationspräparate verwendet. Diese enthalten einen Östrogen- und einen Gestagenanteil. Beide Hormone beeinflussen den weiblichen Zyklus und verhindern eine Schwangerschaft durch zwei Mechanismen: Zum einen unterdrücken sie die Hormonausschüttung und verhindern so den Eisprung. Zum anderen verändern sie die Konsistenz des Schleims am Eingang der Gebärmutter so, dass er für Samenzellen unpassierbar wird. In diese Kategorie gehören Einphasenpräparate (alle Dragees einer Blister-Packung haben die gleiche Dosierung) und Zweiphasenpräparate (die verschiedenen Dosierungen innerhalb einer Packung ahmen den natürlichen weiblichen Hormonspiegel nach).
Bei letzteren ist es wichtig, auf die Reihenfolge der Tabletten zu achten. Zu den Einphasenpräparaten gehören auch die modernen Mikropillen, die sehr niedrig in der Dosierung sind und somit geringere Nebenwirkungen aufweisen.
Neben den Kombinationspräparaten gibt es heute auch Präparate mit nur einem Hormon (Gestagen), die sogenannten Minipillen. Der empfängnisverhütende Effekt ergibt sich hier hauptsächlich aus der Veränderung des Scheidenschleims im Gebärmutterhals, der dadurch für Samen undurchlässig wird. Entscheidend bei der Minipille ist die tägliche Einnahme zum selben Zeitpunkt.

Bei korrekter Einnahme ist die Pille der sicherste Weg zu verhüten.
Was man aber nicht vergessen darf: Die Pille bietet keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Außerdem muss man daran denken, dass die medikamentöse Verhütung einen erheblichen Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau bedeutet und somit auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen kann. Dazu können Übelkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten, Kopfschmerzen, vorrübergehende Gewichtszunahme, Zwischenblutungen und am gefährlichsten - ein erhöhtes Thromboserisiko gehören. Deswegen sollten Interessierte sich von ihrem Gynäkologen immer beraten lassen, welche Pille für sie am besten geeignet ist.
Die Geschichte der Pille ist auf jeden Fall noch nicht fertig geschrieben. Immer mehr Präparate in neuer Zusammensetzung und Dosierung sind erhältlich, um Frauen eine sicherere, verträgliche und einfache Verhütung bieten zu können.



